Ich spürte ein Kribbeln im Rücken, obwohl ich damals vor Ort nicht verstand, warum. Erst als ich zu Hause mit dem Telefon in der Hand war, drückte ich auf Play und meine Knie wurden weich.
In der linken Ecke des Bildschirms, zwischen Schatten und raschelnden Blättern, war deutlich eine Silhouette zu sehen. Nicht menschlich, nicht klar… aber sich mit einer Flüssigkeit zu bewegen, die nichts Bekanntes ähnelte. Ein Schritt, ein plötzlicher Halt, dann verschwand sie aus dem Bild.
Ich hielt den Atem an. Ich schaute wieder. Und wieder. Jedes Mal stieg mein Puls. Es war nicht nur ein Schatten.
Am nächsten Morgen konnte ich nicht stillsitzen. Ich dachte ständig an den Hund, allein und verloren, und was er neben mir hätte sein können. Also packte ich eine Tüte mit Futter, eine alte Decke und eine Flasche Wasser und kehrte an diesen Ort zurück.
Es war kalt. Die Luft roch nach nassen Blättern und feuchter Erde. Der Feldweg war leer, und in der Ferne hörte man nur eine Kirchenglocke, die langsam läutete und die Stunde ankündigte. Als ich an der Steinmauer ankam, erstarrte ich.
Der Hund war da. Am selben Ort. Aber er war nicht allein.
Ein paar Schritte hinter ihm, zwischen den Dornen, sah ich erneut diese Bewegung. Wie ein dicker Schatten, der sich schlich, ohne die Blätter zu berühren, ohne Geräusch. Ich näherte mich langsam und spürte, wie mein Herz in meinen Ohren schlug.
— Hey, Kleiner, ich bin gekommen, um dich abzuholen, murmelte ich, mit den Augen auf ihn gerichtet, aber mit den Sinnen auf alles um mich herum ausgerichtet.
Dann tat der Hund etwas Unerwartetes. Er stand schwerfällig auf, hinkte zu mir und drückte sich an mein Bein, zitternd. Nicht vor Kälte, sondern aus Angst. Und ich verstand, dass ich nicht derjenige war, auf den er wartete.
Hinter der Mauer, zwischen den Steinen, hörte ich ein Flüstern. Oder vielleicht ein Seufzen. Ein langanhaltendes, feuchtes Geräusch, das meine Haut zum Kribbeln brachte. Ich hob den Hund in meine Arme und machte ein paar Schritte zurück.
Aber bevor ich ging, drehte ich den Kopf um.
Dort, zwischen zwei großen Steinen, war ein altes Bildnis, von Moos bedeckt, mit zerbrochenem Glas. Neben ihm eine halb abgebrannte Kerze, die noch im Boden steckte.
Mir wurde klar, dass dieser Ort nicht nur eine vergessene Ecke der Welt war, sondern eine Art „Schwelle“, die die Menschen im Dorf umgingen. Ich erinnerte mich an die Geschichten meiner Großmutter über Orte, wo „man nach Sonnenuntergang nicht hingeht“, über Seelen, die umherirren und unsichtbare Wächter.
Ich ging, ohne zurückzublicken.
Zu Hause trank der Hund gierig Wasser und aß alles aus dem Napf. Nachdem er sich beruhigt hatte, wickelte ich ihn in eine Decke und ließ ihn neben dem Ofen schlafen. Aber die ganze Nacht über hörte ich in der Stille des Hauses dieses Knacken in meinem Kopf und sah die Silhouette wieder.
In den folgenden Tagen erfuhr ich von einem Nachbarn, dass dort vor vielen Jahren ein kleiner Altar für einen jungen Schäfer errichtet worden war, der im Wald verschwunden war. Sie hatten ihn nie gefunden, aber die Leute schworen, dass man manchmal seine Präsenz spüren kann. Und dass er manchmal die verlorenen Tiere beschützt.
Vielleicht war das, was ich gesehen habe, nur der Wind. Vielleicht war es etwas anderes. Aber ich weiß, dass an diesem Tag jemand — oder etwas — mir den Weg zu diesem Hund gezeigt hat.
Und ich weiß, dass ich auf meine Weise nicht allein dort war.
Dieses Werk ist inspiriert von realen Ereignissen und Personen, wurde jedoch zu kreativen Zwecken fiktionalisiert. Namen, Charaktere und Details wurden geändert, um die Privatsphäre zu schützen und die Erzählung zu verbessern. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen oder mit realen Ereignissen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt vom Autor.
Der Autor und der Herausgeber übernehmen keine Verantwortung für die Genauigkeit der Ereignisse oder für die Art und Weise, wie die Charaktere dargestellt werden, und sind nicht verantwortlich für mögliche Fehlinterpretationen. Diese Geschichte wird „wie sie ist“ angeboten, und alle geäußerten Meinungen gehören den Charakteren und spiegeln nicht die Ansichten des Autors oder des Herausgebers wider.
