Am nächsten Tag brachte ich ein Tuch von zu Hause mit und wickelte es über das Namensschild. Ich wollte nicht mehr meinen Namen sehen. Aber ich gab meinen Job nicht auf. Ich konnte es mir nicht leisten. Ich hatte Miete zu zahlen, und mein Leben, auch ohne Chidera, musste weitergehen.
Die Zeit verging. Monate, Jahre. Er stieg weiter in der Hierarchie auf, wurde zu internationalen Konferenzen eingeladen, erhielt Blumen und Lob von allen. Ich putzte weiterhin den Boden mit gesenktem Kopf. Aber jeden Abend betete ich in Gedanken um Vergebung. Nicht für mich. Für ihn.
Eines Tages organisierte das Unternehmen ein Spendenprogramm für benachteiligte Kinder. Sie baten mich, bei der Logistik zu helfen. Unter den Kisten mit Spielzeug und Uniformen fand ich ein Notizbuch mit den Namen der unterstützten Kinder. Ich öffnete es, ohne zu wissen warum. Auf der ersten Seite stand in hastiger Schrift ein Name: Chidera Okoye.
Ich fühlte, wie ich zusammenbrach.
Ohne es zu wissen, spendete er monatlich Geld für ein Kind mit demselben Namen. Vielleicht war es Schuld. Vielleicht war es sein Gewissen. Oder vielleicht war es nur ein grausamer Zufall.
An diesem Abend ließ ich ihm einen Brief auf dem Schreibtisch. Ohne Namen, ohne Vorwürfe. Nur eine Frage:
„Hast du jemals darüber nachgedacht, was du gewesen wärst, wenn du geblieben wärst? Wenn du Vater gewesen wärst? Wenn du wenigstens eine kleine Hand in deiner gehalten hättest?”
Ich wartete nicht auf eine Antwort. Am nächsten Tag kündigte ich.
Ich verließ das Unternehmen mit demselben abgewetzten Rucksack, mit dem ich nach Lagos gekommen war, aber mit einem leichteren Herzen. Ich nahm den Zug nach Enugu und hielt vor dem alten, trockenen Mangobaum. Ich setzte mich hin und schloss die Augen.
— Was Gott geschrieben hat, kann niemand löschen, Chidera.
Und jenseits aller Verluste bleibt das meine Wahrheit.