— „Warum?”
Das Wort, obwohl nur geflüstert, klang lauter als eine Sirene. Alle Mitarbeiter drehten sich überrascht zu ihr um.
Sergeis Augen füllten sich noch mehr mit Tränen. Er stand schwer auf, wie ein Mann, der Jahre voller Schuld auf seinen Schultern trug.
— Weil… ich habe dich verloren und hatte nicht den Mut zu kämpfen.
Alia zog ihre Hände langsam zurück, und in ihren tiefen, müden Augen brannte ein Licht.
— Alle haben mich vergessen, Sergei. Die Welt, die Freunde, die Kollegen. Du…
Ihre Stimme brach. Zum ersten Mal nach so langer Zeit errötete ihr Gesicht, aber nicht aus Scham, sondern aus Leben.
In einer Ecke hielt die Kassiererin sich die Hand vor den Mund, erstaunt. Der Kreditoffizier, der über Aleptina gescherzt hatte, zog sich still zurück und fühlte sich klein.
— Ich wusste nicht, was mit dir passiert ist… — sagte Sergei mit zitternder Stimme. — Als ich von dem Brand hörte, war es schon zu spät. Ich habe gesucht, aber ich konnte dich nicht finden. Niemand wusste, wo du verschwunden warst.
Alia schwieg.
— Ich bin heute für eine Prüfung gekommen. Ich wusste nicht einmal, dass du hier bist. Als ich dich sah…
Er machte einen Schritt zurück.
— Bitte, lass mich dir helfen. Wenigstens jetzt.
Aber sie schüttelte den Kopf.
— Ich brauche kein Mitleid, Sergei. Ich habe mich selbst aufgerichtet. Ich bin nicht mehr die Alia von damals. Ich bin etwas anderes.
Zum ersten Mal sah sie sich um. Es waren Menschen, die ihr zuhörten. Nicht, weil sie eine Kuriosität war, sondern weil sie sie zum ersten Mal wirklich sahen.
— Vielleicht habe ich nicht mehr die Stimme von früher… aber ich kann wieder malen.
Sie holte eine kleine Leinwand aus ihrer Tasche. Sie hatte die Bank im Morgengrauen gemalt. Mit dem Licht, das durch die Glastüren strömte, mit den Menschen in Bewegung, mit ihr in der Ecke, diskret.
— Das bin ich jetzt.
Der Filialleiter trat näher.
— Wenn ich bitten darf… können wir dieses Gemälde direkt in der Haupthalle aufhängen.
Alle stimmten zu. Sergei lächelte.
— Ich habe dich einmal verloren. Ich möchte dich nicht noch einmal verlieren.
Alia sah ihn an. Ein kaum angedeutetes Lächeln blühte auf ihrem Gesicht.
— Vielleicht fange ich jetzt endlich wieder an. Aber auf meine Weise.
Und an diesem Tag, zwischen den polierten Böden und den Messinggriffen, in einer Ecke der Bank, wo normalerweise niemand hinsieht, wurde eine Frau wiedergeboren. Und alle sahen sie. Und sie wurden sie nie vergessen.
Dieses Werk ist inspiriert von realen Ereignissen und Personen, wurde jedoch zu kreativen Zwecken fiktionalisiert. Namen, Charaktere und Details wurden geändert, um die Privatsphäre zu schützen und die Erzählung zu verbessern. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen, lebend oder tot, oder mit realen Ereignissen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt vom Autor.
Der Autor und der Herausgeber übernehmen keine Verantwortung für die Genauigkeit der Ereignisse oder für die Art und Weise, wie die Charaktere dargestellt werden, und sind nicht verantwortlich für mögliche Fehlinterpretationen. Diese Geschichte wird „wie sie ist“ angeboten, und alle geäußerten Meinungen gehören den Charakteren und spiegeln nicht die Ansichten des Autors oder des Herausgebers wider.
