Geschichten

Die Männer waren zum Angeln an den See gekommen

…eine Puppe. Aber nicht eine gewöhnliche.

Es war eine alte Puppe, die vom Wasser geschwärzt war, mit einem gemalten Lächeln, das grotesk auf ihrem rissigen Porzellangesicht zu sein schien. Sie hatte rotes, langes, aber verfilztes Haar, und aus ihren grünen Glasaugen fehlte die linke Iris. An einigen Stellen war sie mit einer grünlich-braunen Kruste bedeckt, ein Zeichen dafür, dass sie lange im Wasser gelegen hatte.

— Spiel nicht damit, sagte einer der Angler und machte ein Kreuz. Wirf sie zurück.

Aber der, der sie herausgeholt hatte, rührte sich nicht. Er starrte die Puppe hypnotisiert an. Er drehte sie in seinen Händen, und dann sahen alle: Unter ihrem nassen, zerrissenen Kleid war ein Stück Stoff genäht, mit großen, schwarz gestickten Buchstaben: „Vergiss mich nicht”.

— Das ist ein schlechter Scherz, sagte ein anderer, finster. Wer macht so etwas?

Die Stille fiel wieder. Keiner lachte. Am See war kein Geräusch mehr, weder Vögel noch das Rascheln des Schilfs.

— Ich habe schon von solchen Dingen gehört, sagte der älteste unter ihnen. Als ich klein war, sagte mein Vater, dass in diesem Teil des Sees vor langer Zeit ein Mädchen ertrunken sei. Man hatte es nie gefunden, aber man sagte, ihre Puppe sei nach ein paar Tagen am Ufer aufgetaucht. Irgendetwas mit einem Fluch…

— Unsinn, unterbrach ihn ein Jüngerer. Das sind nur Legenden.

Aber der Alte hörte nicht zu. Er starrte mit tränenüberströmten Augen auf das Wasser.

— Es war meine Schwester…

Alle verstummten.

— Sie war fünf Jahre alt. Ich ließ sie einen Moment allein auf dem Steg. Sie wollte ihre Puppe waschen… und kam nicht zurück. Mama sagte, Gott habe sie genommen. Papa hingegen ging nachts ans Ufer, rief ihren Namen, weinte. Er fand nur das Kleid der Puppe. Nie den Körper.

Er berührte mit zitternden Fingern den nassen Stoff des Sackes, als würde er seine Schwester streicheln.

— Das ist ihre Puppe. Dieser Stoff… Mama hat ihn genäht. Ich kann ihre Schrift nicht vergessen.

Der Jüngere wollte lachen, hielt aber inne, als ein Windstoß fast das Netz umwarf. Wieder Stille.

— Lass uns sie mitnehmen, sagte der Alte. Ich bringe sie nach Hause. Zu Mama. Wenn sie noch lebt.

Sie gingen langsam zum Ufer, jeder mit seinen Gedanken. Aber als sie näher kamen, sahen sie etwas, das ihnen das Blut in den Adern gefrieren ließ: Auf dem Steg kniete eine alte Frau, mit gefalteten Händen, und sah zu ihnen. Als würde sie auf sie warten.

Niemand hatte jemandem gesagt, dass heute der Tag des verlorenen Mädchens war. Und doch wusste die Alte es.

Als der Alte mit der Puppe in den Armen hinunterkam, begann die Frau zu weinen. Sie streckte ihre zitternden Hände aus und flüsterte:

— Ich habe jedes Jahr gebetet, dass ihr sie zurückbringt. Danke…

Der See blieb hinter ihnen, still, geheimnisvoll. Aber zum ersten Mal seit vielen Jahren schien er ruhig zu sein.

Einige sagen, dass an diesem Tag am See wieder Vogelgesang zu hören war. Und an dem Ort, wo die Puppe gefunden wurde, blühte ein Busch von Wiesenblumen.

Und die Angler? Sie sprachen nie wieder über diesen Morgen. Aber sie fingen nie wieder etwas mit dem Netz, das sie in der Bucht des Schilfs auswarfen. Nur Wasser. Und Stille.

Dieses Werk ist inspiriert von realen Ereignissen und Personen, wurde jedoch zu kreativen Zwecken fiktionalisiert. Namen, Charaktere und Details wurden geändert, um die Privatsphäre zu schützen und die Erzählung zu verbessern. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen, lebenden oder verstorbenen, oder mit realen Ereignissen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt vom Autor.

Der Autor und der Herausgeber übernehmen keine Verantwortung für die Genauigkeit der Ereignisse oder für die Art und Weise, wie die Charaktere dargestellt werden, und sind nicht verantwortlich für mögliche Fehlinterpretationen. Diese Geschichte wird „wie sie ist“ angeboten, und alle geäußerten Meinungen gehören den Charakteren und spiegeln nicht die Ansichten des Autors oder des Herausgebers wider.

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