— Mit meinem Auto? — seine Stimme war angespannt.
Ioana erstarrte. Wie bitte „sein Auto“? Das Geschenk war für sie. Die Papiere waren auf ihren Namen.
— Valeriu, das Auto gehört mir, — sagte sie langsam und betont. — Es wurde mir von meinen Eltern geschenkt.
— Die Eltern haben es der Familie geschenkt, — verschränkte er die Arme. — Und in der Familie ist der Mann der Herr.
— Was redest du da? — die Stimme von Ioana wurde schärfer. — Das Geschenk war für mich, zu meinem Geburtstag!
Valeriu verzog das Gesicht, als hätte sie etwas Peinliches gesagt.
— Ioana, die Frau am Steuer ist eine Gefahr, — nahm er den Ton eines Lehrers an. — Die Unfallstatistiken sprechen für sich.
— Welche Statistiken? — platzte sie heraus. — Valeriu, ich habe seit zehn Jahren einen Führerschein!
— Ein Führerschein ist das eine, die reale Erfahrung das andere.
Ioana konnte ihren Ohren nicht trauen. Sie fuhr oft das Auto ihrer Eltern, ohne Unfälle. Jetzt behauptete ihr Ehemann, sie sei unfähig.
In diesem Moment brach in Ioanas Seele etwas. Sie sah ihn an und sah nicht mehr den Partner, mit dem sie von einer Zukunft geträumt hatte, sondern einen fremden Mann, der ihr die letzte Freude rauben wollte.
Sie schloss langsam die Hand um die Schlüssel und machte einen Schritt zurück.
— Valeriu, wenn du ein Mann im Haus sein willst, beweis es durch Taten, nicht durch Verbote, — sagte sie mit ruhiger, aber scharfer Stimme.
Er blieb wie erstarrt. Er hatte mit einer solchen Antwort nicht gerechnet. Normalerweise erhob sie die Stimme, wurde wütend, aber jetzt war sie ruhig und fest.
In diesem Morgen verließ Ioana die Tür, ohne sich umzudrehen. Die ersten Minuten fuhr sie mit zitternden Händen, aber bald begann das Geräusch des Motors, ihre Seele zu beruhigen. Freiheit roch nach frischem Benzin und nassem Asphalt.
Auf dem Weg flogen ihre Gedanken zurück in ihre Kindheit. Sie erinnerte sich, wie ihr Großvater sagte: „Mein Mädchen, im Leben musst du wissen, wie man die Zügel festhält. Wer das Pferd galoppieren lässt, bleibt im Staub.“ Damals lachte sie. Aber jetzt spürte sie am eigenen Leib, wie viel Wahrheit darin war.
Als sie bei der Arbeit ankam, gratulierten ihr die Kollegen zum Auto. Sie lächelte, aber in ihrer Seele brodelte etwas anderes: der Entschluss, nicht mehr nachzugeben.
Am Abend, als sie nach Hause kam, fand sie Valeriu am Tisch mit seiner Mutter. Der gleiche kritische Blick, die gleiche giftige Stimme.
— Ioana, dieses Auto ist nicht für dich, — begann die Schwiegermutter und hob die Augenbrauen. — Eine Frau hat mit einem solchen Geschenk nichts zu tun. Lass meinen Sohn es benutzen, er weiß es besser.
Ioana setzte sich ruhig und legte die Schlüssel auf den Tisch.
— Madame, meine Eltern haben mir ein Geschenk gemacht. Die Dokumente sind auf meinen Namen. Wenn Sie fahren möchten, gehen Sie und fordern Sie ein Auto für sich an. Aber dieses bleibt hier, bei mir.
Die Worte fielen wie ein Blitz. Valeriu versuchte einzugreifen, aber Ioana stand auf.
— Genug! Jahre lang habe ich Vorwürfe, Ausgaben und leere Versprechungen geschluckt. Aber heute sage ich klar: Das Auto gehört mir und mein Leben ebenso. Wer neben mir sein will, soll an meiner Seite gehen, nicht über mich hinweg.
Im Raum herrschte eine schwere Stille. Seine Mutter presste die Lippen zusammen, Valeriu senkte den Blick.
Ioana nahm erneut die Schlüssel und ging zur Tür. Bevor sie hinausging, sagte sie deutlich:
— Ein wahrer Mann nimmt einer Frau nicht, was ihr gehört, sondern arbeitet daran, ihr mehr zu geben. Denken Sie darüber nach.
Sie knallte die Tür zu und fühlte, wie die Last von ihren Schultern fiel.
Auf der Straße roch die Abendluft nach blühendem Lindenbaum. In ihrem Herzen legte sich eine Ruhe nieder, die sie lange nicht mehr gefühlt hatte. Vielleicht war der Weg vor ihr schwer, aber er gehörte ihr. Und zum ersten Mal war Ioana entschlossen, niemanden zu lassen, der sie aufhielt.
Sie startete den Motor. Die Lichter der Stadt gingen nacheinander an, wie Versprechungen. Und zum ersten Mal schien die Zukunft klar.
Sie war nicht mehr nur eine Frau mit aufgeschobenen Träumen. Sie war eine freie Frau. Und niemand würde ihr jemals wieder das Geschenk oder das Recht nehmen, ihr eigenes Leben zu führen.
