Es dauerte einige Sekunden, bis ich meine Gedanken gesammelt hatte, aber ihr Gesicht kam mir so bekannt vor, als hätte ich es jahrelang geträumt. Sie hatte diese durchdringenden grünen Augen, die man nicht vergessen kann. Und doch sagte mir der Name Julia nichts.
— Kennst du… meine Mutter? — fragte Miranda und schaute von mir zu ihr.
Die Frau schien zu zittern. Sie trat einen Schritt auf mich zu und sagte mit leiser Stimme:
— Du heißt Andrei, nicht wahr?
Ich nickte verwirrt. Dann holte sie ihre Geldbörse heraus. Und dort, sichtbar, war ein altes Foto — von mir, mit einem jungen Gesicht, aus der Universität. Es war an einem Sommerabend in einem Camp gemacht worden, und ich wusste nicht mehr, dass dieses Bild existierte.
— Wer bist du? — fragte ich erneut, diesmal mit gebrochener Stimme.
— Wir haben uns vor elf Jahren in Costinești kennengelernt, — begann sie. — Du warst dort mit deinen Freunden. Ich… war mit einer Freundin. Wir tanzten die ganze Nacht auf dieser Holzterrasse am Strand. Ich sagte dir, dass ich aus Bukarest komme. Du hast mir gesagt, dass du ins Ausland gehen würdest.
Ich wurde plötzlich in die Vergangenheit zurückversetzt. Ich sah die Sommernächte, die Gesichter meiner Freunde, das Lachen, das Tanzen, die Flaschen mit kaltem Bier. Und ja… sie war dort. Julia. Ein Abend. Ein Kuss. Ein hastiger Aufbruch am Morgen, ohne Adressen, ohne Versprechungen.
— Warum hast du mir das nie gesagt? — flüsterte ich.
— Weil ich es selbst nicht wusste, — antwortete sie. — Ich habe erst nach ein paar Monaten erfahren, dass ich schwanger bin. Ich habe versucht, dich zu finden, aber ich kannte deinen vollständigen Namen und die genaue Stadt nicht mehr. Ich habe dieses Foto aufbewahrt… die einzige Erinnerung.
Ich schaute zu Miranda, die jetzt zwischen uns stand und mit ihren Schnürsenkeln spielte.
— Aber… wie hat sie dir gesagt, dass ich es bin?
— Ich habe ihr immer von diesem besonderen Mann erzählt, — lächelte sie durch Tränen. — Und sie hat das Foto gesehen und sich eingeprägt.
Ich setzte mich auf die Couch, den Kopf in den Händen. All die Jahre hatte ich nichts gewusst. All die Jahre wuchs ein Mädchen, das mein Blut trug.
— Was machst du jetzt? — fragte Julia mit zitternder Stimme.
Ich hob den Blick. Ein Sonnenstrahl fiel durch das Fenster und fiel direkt auf Miranda, die neugierig zu mir schaute.
— Jetzt… möchte ich zurückholen, was ich verloren habe. Wenn du mich lässt, — sagte ich.
Julia seufzte tief. Dann lächelte sie traurig:
— Es wird Zeit brauchen. Aber sie braucht dich. Und vielleicht… auch ich.
Und so begann an diesem kleinen Ort am Meer, an einem gewöhnlichen Morgen, mein Leben von neuem. Mit einem Mädchen, das mich „Herr“ nannte, aber das mir eines Tages „Papa“ sagen würde.
Dieses Werk ist inspiriert von realen Ereignissen und Personen, wurde jedoch zu kreativen Zwecken fiktionalisiert. Namen, Charaktere und Details wurden geändert, um die Privatsphäre zu schützen und die Erzählung zu verbessern. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen, lebend oder verstorben, oder mit realen Ereignissen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt vom Autor.
Der Autor und der Herausgeber übernehmen keine Verantwortung für die Genauigkeit der Ereignisse oder für die Art und Weise, wie die Charaktere dargestellt werden, und sind nicht verantwortlich für mögliche Fehlinterpretationen. Diese Geschichte wird „wie sie ist“ angeboten, und alle geäußerten Meinungen gehören den Charakteren und spiegeln nicht die Ansichten des Autors oder des Herausgebers wider.