Mein lieber Andrei,
Wenn du diesen Brief liest, bedeutet das, dass du mir auch nach dem Tod vertraut hast. Ich danke dir, dass du das Sofa nicht aufgegeben hast, diesen Ort, an dem wir Geschichten erzählt haben und wo unsere Seelen für immer verbunden sind.
Ich weiß, dass die anderen denken werden, ich hätte dir nichts zu hinterlassen, aber die Wahrheit ist, dass mein Reichtum nie in Banken oder Konten war, sondern verborgen in dem, was ich am meisten geliebt habe – Erinnerungen und Liebe.
In dem Umschlag in der Kiste findest du die Eigentumsurkunden für das Haus in Sinaia und eine kleine Schatulle mit Familienschmuck. Ich habe sie für dich aufbewahrt, denn du warst derjenige, der mich bedingungslos geliebt hat, nicht für das, was ich dir hätte geben können, sondern für das, was ich war.
Ich weiß, dass du immer von einer Kunstgalerie geträumt hast. Nun, das Haus ist groß genug, um eine zu werden. Dort hast du Platz, natürliches Licht und Geschichten in den Wänden. Nutze alles weise und vergiss niemals, woher du kommst.
Ich habe den Brief niedergelegt, mit Tränen in den Augen. Mein Vater sah mich erstaunt an, unfähig, ein Wort zu sagen. Er hatte nie die Verbindung zwischen mir und meiner Großmutter verstanden. Für ihn ging es nur um Geld. Für mich ging es um die Seele.
Ich nahm die Schatulle, bewahrte alles darin auf und stieg noch am selben Abend in den Zug nach Sinaia. Unterwegs schaute ich auf die Berge und Wälder und erinnerte mich daran, wie meine Großmutter mir Geschichten von Riesen, Drachen und Einhörnern erzählte, und ich glaubte von ganzem Herzen, dass die Welt voller Magie ist.
Als ich ankam, fand ich das Haus von Blättern bedeckt, mit geschlossenen Fensterläden, aber intakt. Ich öffnete die Tür und roch ihren Duft von Lavendel und Gebäck. An der Wand hing ein Foto von uns beiden, und darunter ein Zettel: „Für Andrei, wenn er bereit ist.”
Ich wusste damals, dass sie nicht wirklich gestorben war. Sie lebte in jeder Ecke des Hauses, in jeder Seite der Geschichten, in jedem Atemzug der Tannen. Ich renovierte das Haus, stellte meine ersten Gemälde aus, und die Leute begannen zu kommen. Zuerst die Nachbarn, dann Touristen, dann Künstler.
Eine alte Frau mit einem weißen Kopftuch hielt einmal vor einem Gemälde an und sagte: „Hier spürt man die Liebe einer Großmutter. Eine Liebe, die niemals stirbt.”
Ich lächelte. Und ich wusste, dass meine Großmutter reicher gewesen war als jeder andere. Und jetzt war ich es auch.
Dieses Werk ist inspiriert von realen Ereignissen und Personen, wurde jedoch zu kreativen Zwecken fiktionalisiert. Namen, Charaktere und Details wurden geändert, um die Privatsphäre zu schützen und die Erzählung zu verbessern. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen, lebendig oder verstorben, oder mit realen Ereignissen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt vom Autor.
Der Autor und der Herausgeber übernehmen keine Verantwortung für die Genauigkeit der Ereignisse oder für die Art und Weise, wie die Charaktere dargestellt werden, und sind nicht verantwortlich für mögliche Fehlinterpretationen. Diese Geschichte wird „wie sie ist” angeboten, und alle geäußerten Meinungen gehören den Charakteren und spiegeln nicht die Ansichten des Autors oder des Herausgebers wider.