Das natürliche Heilmittel, das Tradition mit moderner Wissenschaft verbindet
Die Geschichte des Beinwells
Beinwell (Symphytum officinale) ist eine Heilpflanze, die seit Jahrhunderten in der europäischen Volksmedizin verwendet wird. In der Antike nutzten Heiler die zerdrückte Wurzel zur Behandlung von Frakturen, Verstauchungen und Wunden und betrachteten sie als ein wahres Zement für die Knochen. In der griechisch-römischen Medizin wurde sie als natürliches Pflaster für tiefe Wunden verwendet. Im Mittelalter war sie eine Grundzutat in Salben, Tinkturen und Wickeln.
Die chemische Zusammensetzung des Beinwells
Die Wurzel und die Blätter enthalten eine Vielzahl von aktiven Verbindungen mit therapeutischen Eigenschaften:
- Allantoin mit wundheilenden Eigenschaften
- Alantoin fördert die Zellregeneration und die Heilung von Geweben
- Schleimstoffe mit emollienter und beruhigender Wirkung
- Tannine mit adstringierender Wirkung
- Ätherische Öle und phenolische Säuren mit entzündungshemmenden Eigenschaften
- Pyrrolizidinalkaloide eine umstrittene Verbindung, die für mögliche hepatotoxische Effekte verantwortlich ist (siehe Gegenanzeigen)
Rezepte und Anwendung
1. Beinwell-Salbe (für die äußere Anwendung):
Zutaten:
- 50 g frische Beinwellwurzel
- 200 ml Olivenöl oder Kokosöl
- 10 g Bienenwachs
Zubereitung:
Die zerkleinerte Wurzel wird 30 Minuten lang im Öl im Wasserbad gekocht. Anschließend wird sie abgeseiht und das Bienenwachs hinzugefügt. Die Mischung wird in sterile Gläser gefüllt und im Kühlschrank aufbewahrt. Sie kann lokal bei Gelenkschmerzen, Verstauchungen oder Prellungen angewendet werden.
2. Beinwell-Tinktur:
Zutaten:
- 100 g getrocknete Wurzel
- 500 ml 40%iger Lebensmittelalkohol
Zubereitung:
Die Mischung wird 14 Tage lang in einem geschlossenen Behälter mazeriert, wobei sie täglich geschüttelt wird. Danach wird sie gefiltert und in dunkle Flaschen abgefüllt. Sie wird äußerlich in Kompressen verwendet.
3. Wickel mit frischer Wurzel:
Die Wurzel wird fein gerieben, mit etwas warmem Wasser vermischt und auf die betroffene Stelle aufgetragen, die mit Mullbinde abgedeckt wird. Sie sollte 1-2 Stunden einwirken.
Anwendungshinweise und wichtige Vorsichtsmaßnahmen
- Nur äußerlich! Innerlich kann die Pflanze aufgrund der Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen können, toxisch sein.
- Nicht auf offenen oder blutenden Wunden anwenden.
- Nicht länger als 6 Wochen pro Jahr verwenden.
- Gegenanzeigen für schwangere Frauen, stillende Mütter und kleine Kinder.
Aktuelle Studien und Forschungen
Eine Studie, die 2013 in Phytotherapy Research veröffentlicht wurde, bestätigte die Wirksamkeit von Allantoin aus Beinwell bei der schnellen Heilung von Weichgewebe. Eine deutsche Forschung aus dem Jahr 2007 zeigte, dass eine Salbe mit Beinwell-Extrakt Entzündungen und Schmerzen bei Verstauchungen und Osteoarthritis signifikant reduziert, mit einer vergleichbaren Wirksamkeit wie Diclofenac.
Dennoch empfiehlt die Europäische Arzneimittel-Agentur die Anwendung ausschließlich äußerlich und für einen begrenzten Zeitraum aufgrund des potenziellen hepatotoxischen Risikos.
Beinwell ist eine Pflanze mit einem soliden Ruf in der traditionellen Medizin, der zunehmend auch von der Wissenschaft unterstützt wird. Dennoch sollte ihre Anwendung mit Bedacht erfolgen, unter Berücksichtigung der Hinweise und Gegenanzeigen.


